ICD-10-GM Kodes für Niedrige Thrombozytenzahl (Thrombozytopenie) (D69.3, D69.4-, D69.6-)

Kompletter Leitfaden zur Kodierung und Dokumentation von Thrombozytopenie. Enthält Hinweise zur kodierrelevanten Dokumentation, klinischen Plausibilität und Abgrenzung häufiger Fehlpfade.

Verwandte Begriffe: Thrombozytopenie, verminderte Thrombozyten, Blutungsneigung

Kerninformation

Thrombozytopenie wird ICD-10-GM vor allem nach Ursache und Kontext kodiert: idiopathische Formen mit D69.3, sonstige primäre unter D69.4-, sekundäre unter D69.5- und nicht näher bezeichnete unter D69.6-; neonatale, HIV-bezogene oder postpartale Konstellationen folgen eigenen Kodierpfaden.

Wichtigste Auswahlachse: Ätiologie und besonderer Kodierkontext, vor allem idiopathisch, sonstig primär, sekundär, nicht näher bezeichnet, neonatal, HIV-bezogen oder postpartal

Wichtigste Warnung: D69.6- nicht verwenden, wenn eine primäre, sekundäre, neonatale, HIV-bezogene oder postpartale Form dokumentiert ist.

Kodierentscheidungen

Kode/FamilieVerwenden wennNicht verwenden wennDokumentation
  • D69.3Idiopathische thrombozytopenische Purpura
Verwenden, wenn eine idiopathische oder essentielle thrombozytopenische Purpura bzw. ITP dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn eine sonstige primäre, hereditäre oder kongenitale Form, eine sekundäre Ursache, ein neonataler Kontext oder ein spezieller Syndrombezug dokumentiert ist.
  • Thrombozytopenie bzw. ITP dokumentiert
  • idiopathisch/essentiell angegeben
  • keine dokumentierte sekundäre Ursache
  • D69.41Sonstige primäre Thrombozytopenie, nicht als transfusionsrefraktär bezeichnet
Verwenden, wenn eine sonstige primäre Thrombozytopenie dokumentiert ist, z. B. hereditär oder kongenital, und sie nicht als transfusionsrefraktär bezeichnet wird.Nicht verwenden, wenn eine idiopathische/essentielle ITP, eine sekundäre Ursache, ein neonataler Kontext, ein TAR-Syndrom oder eine als transfusionsrefraktär bezeichnete Form dokumentiert ist.
  • primäre/hereditäre/kongenitale Thrombozytopenie dokumentiert
  • keine idiopathische/essentielle ITP
  • nicht als transfusionsrefraktär bezeichnet
  • D69.61Thrombozytopenie, nicht näher bezeichnet, nicht als transfusionsrefraktär bezeichnet
Verwenden, wenn eine Thrombozytopenie dokumentiert ist, die Ursache oder Einordnung aber nicht näher bezeichnet wird und sie nicht als transfusionsrefraktär bezeichnet ist.Nicht verwenden, wenn eine idiopathische, sonstige primäre, sekundäre, neonatale, HIV-bezogene oder postpartale Form dokumentiert ist oder wenn die Thrombozytopenie als transfusionsrefraktär bezeichnet wird.
  • Thrombozytopenie bzw. niedrige Thrombozytenzahl dokumentiert
  • keine nähere Einordnung als idiopathisch, primär oder sekundär
  • nicht als transfusionsrefraktär bezeichnet
  • P61.0Transitorische Thrombozytopenie beim Neugeborenen
Verwenden, wenn eine transitorische Thrombozytopenie beim Neugeborenen dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn keine neonatale/perinatale Situation vorliegt oder eine allgemeine Thrombozytopenie außerhalb des Kapitels P kodiert werden muss.
  • Neugeborenes/perinataler Kontext
  • transitorische oder neonatale Thrombozytopenie dokumentiert
  • ggf. Zusammenhang mit mütterlicher ITP, Isoimmunisierung oder Austauschtransfusion
  • B23.8Sonstige näher bezeichnete Krankheitszustände infolge HIV-Krankheit
  • D69.61Thrombozytopenie, nicht näher bezeichnet, nicht als transfusionsrefraktär bezeichnet
Verwenden, wenn eine HIV-Krankheit mit Thrombozytopenie dokumentiert ist und die Thrombozytopenie als zugehöriger Krankheitszustand der HIV-Krankheit verschlüsselt werden soll.Nicht verwenden, wenn nur eine HIV-Infektion ohne dokumentierte HIV-Krankheit oder kein gesicherter Zusammenhang zur Thrombozytopenie dokumentiert ist. D69.61 nicht allein verwenden, wenn die HIV-Krankheit als zugehöriger Krankheitszustand dokumentiert ist.
  • HIV-Krankheit dokumentiert
  • Thrombozytopenie dokumentiert
  • Zusammenhang HIV-Krankheit → Thrombozytopenie
  • Thrombozytopenie nicht näher bezeichnet und nicht als transfusionsrefraktär bezeichnet
  • O72.3Postpartale Gerinnungsstörungen
  • D69.61Thrombozytopenie, nicht näher bezeichnet, nicht als transfusionsrefraktär bezeichnet
Verwenden, wenn eine postpartale bzw. puerperale Gerinnungsstörung mit nicht näher bezeichneter Thrombozytopenie dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn kein postpartaler Kontext vorliegt oder wenn die Thrombozytopenie außerhalb einer postpartalen Gerinnungsstörung als allgemeine Thrombozytopenie zu kodieren ist. Bei spezifischerer Thrombozytopenieform ist ein passenderer D65-D69-Kode zusätzlich zu prüfen.
  • postpartaler/puerperaler Kontext
  • postpartale Gerinnungsstörung dokumentiert
  • Thrombozytopenie dokumentiert
  • Thrombozytopenie nicht näher bezeichnet und nicht als transfusionsrefraktär bezeichnet

Verwandte und abzugrenzende Kodes

Kode/FamilieRolleKodieraktionRelevanz
  • D69.4-Sonstige primäre Thrombozytopenie
KodefamilieZur Einordnung primärer, nicht idiopathischer Formen den passenden endständigen Unterkode nach Dokumentation wählen; die Familienform selbst ist keine normale Auswahlzeile.Die Seite umfasst neben D69.3 auch sonstige primäre Thrombozytopenien, deren exakte Kodierung über einen endständigen D69.4-Unterkode erfolgt.
  • D69.5-Sekundäre Thrombozytopenie
KodefamilieBei dokumentierter sekundärer Ursache den passenden endständigen D69.5-Unterkode wählen; soll die äußere Ursache angegeben werden, ist eine zusätzliche Schlüsselnummer aus Kapitel XX zu prüfen.Sekundäre Formen sind ein zentraler Abzweig bei niedriger Thrombozytenzahl und müssen von primären oder nicht näher bezeichneten Formen abgegrenzt werden.
  • D69.6-Thrombozytopenie, nicht näher bezeichnet
KodefamilieNur bei fehlender ätiologischer Einordnung den passenden endständigen Unterkode aus D69.6- wählen.Die Familienform ordnet unspezifisch dokumentierte Thrombozytopenien ein, aus denen häufig ein endständiger D69.6-Unterkode resultiert.
  • D65-D69Koagulationsdefekte, Purpura und sonstige hämorrhagische Diathesen
OrientierungsbereichNur zur Orientierung im hämostaseologischen Umfeld verwenden; für die finale Kodierung die konkrete Kategorie oder den endständigen Kode prüfen.Der Bereich zeigt den systematischen Zusammenhang zu anderen Blutungs- und Gerinnungsstörungen, die von Thrombozytopenie abzugrenzen sind.
  • D69.1Qualitative Thrombozytendefekte
AbgrenzungskodeStatt eines Thrombozytopenie-Kodes prüfen, wenn eine Thrombozytenfunktionsstörung ohne verminderte Thrombozytenzahl dokumentiert ist.Blutungsneigung kann durch einen qualitativen Thrombozytendefekt und nicht durch eine numerische Verminderung verursacht sein.
  • D69.2Sonstige nichtthrombozytopenische Purpura
AbgrenzungskodeNicht als Thrombozytopenie kodieren, wenn Purpura oder Hämatomneigung ohne erniedrigte Thrombozytenzahl dokumentiert ist.Verhindert die Fehlkodierung von Purpura-Zuständen, bei denen keine quantitative Thrombozytenminderung vorliegt.
  • M31.1Thrombotische Mikroangiopathie
AbgrenzungskodeDiesen Stattdessen-Pfad prüfen, wenn eine thrombotisch-thrombozytopenische Purpura dokumentiert ist; nicht unter D69.- subsumieren.Trotz des Namens ist dies ein wichtiger Ausschluss- und Fehlkodierungspfad gegenüber der allgemeinen Thrombozytopenie-Kodierung.
  • Q87.2Angeborene Fehlbildungssyndrome mit vorwiegender Beteiligung der Extremitäten
AbgrenzungskodeBei dokumentiertem TAR-Syndrom bzw. Radiusaplasie-Thrombozytopenie-Syndrom den syndrombezogenen Kode prüfen statt einer unspezifischen primären Thrombozytopenie.Das TAR-Syndrom ist ein relevanter Ausschluss- und Abgrenzungspfad zu D69.4-.

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