ICD-10-GM Kodes für Radiusfraktur (S52.1-, S52.3-, S52.5-)
Kompletter Leitfaden zur Kodierung und Dokumentation von Radiusfraktur. Enthält Hinweise zur kodierrelevanten Dokumentation, klinischen Plausibilität und Abgrenzung häufiger Fehlpfade.
Verwandte Begriffe: Speichenbruch, Fraktur des Radius, distale Radiusfraktur
Kerninformation
Radiusfrakturen werden innerhalb von S52.- vor allem nach der Lokalisation kodiert; isolierte Frakturen betreffen typischerweise das proximale Radiusende, den Radiusschaft oder das distale Radiusende, während kombinierte Ulna-Radius-Frakturen eigene Kodes haben. Isolierte Radiuskodes nicht verwenden, wenn die Ulna mitfrakturiert ist oder eine pathologische statt traumatischer Fraktur dokumentiert ist.
Wichtigste Auswahlachse: Lokalisation der Fraktur und Abgrenzung isolierte traumatische Radiusfraktur versus kombinierte oder pathologische Fraktur
Wichtigste Warnung: Isolierte Radiuskodes nicht verwenden, wenn zusätzlich die Ulna frakturiert ist oder die Fraktur pathologisch ist.
Kodierentscheidungen
| Kode/Familie | Verwenden wenn | Nicht verwenden wenn | Dokumentation |
|---|---|---|---|
| Verwenden, wenn eine isolierte traumatische Fraktur des proximalen Radius dokumentiert ist, der betroffene Teil proximal aber nicht näher bezeichnet ist. | Nicht verwenden, wenn Radiuskopf- oder Radiushalsfraktur genauer dokumentiert ist, wenn nur eine Luxation vorliegt oder wenn Ulna und Radius kombiniert frakturiert sind. |
|
| Verwenden, wenn eine Fraktur des Radiusschaftes dokumentiert ist oder die Dokumentation nur eine unspezifische Radiusfraktur ohne Segmentangabe stützt. | Nicht verwenden, wenn eine proximale oder distale Radiusfraktur dokumentiert ist oder wenn Ulna und Radius gemeinsam frakturiert sind. |
|
| Verwenden, wenn eine isolierte traumatische distale Radiusfraktur dokumentiert ist, die distale Frakturform aber nicht näher bezeichnet ist. | Nicht verwenden, wenn eine Extensionsfraktur/Colles-Fraktur oder eine kombinierte distale Ulna-Radius-Fraktur dokumentiert ist. |
|
| Verwenden, wenn eine distale Radius-Extensionsfraktur dokumentiert ist, einschließlich Colles-Fraktur beziehungsweise Radiusfraktur loco typico. | Nicht verwenden, wenn die distale Fraktur nicht als Extensionsfraktur bzw. Colles-Fraktur beschrieben ist oder wenn zusätzlich eine distale Ulnafraktur als kombinierte Verletzung dokumentiert ist. |
|
| Verwenden, wenn Radius- und Ulnaschaft gemeinsam frakturiert sind; dies ist kein isolierter Radiuskode. | Nicht verwenden, wenn nur der Radius frakturiert ist oder wenn die kombinierte Fraktur das distale Ende statt der Schäfte betrifft. |
|
| Verwenden, wenn distal sowohl Radius als auch Ulna frakturiert sind; dies ersetzt den isolierten distalen Radiuskode. | Nicht verwenden, wenn nur der distale Radius frakturiert ist oder wenn multiple Unterarmfrakturen vorliegen, die besser unter S52.7 einzuordnen sind. |
|
Verwandte und abzugrenzende Kodes
| Kode/Familie | Rolle | Kodieraktion | Relevanz |
|---|---|---|---|
| Kodefamilie | Bei proximaler Radiusfraktur den spezifischsten dokumentierten Unterkode aus dieser Familie wählen; S52.10 nur bei fehlender Teilangabe verwenden. | Die Familie ordnet Frakturen des proximalen Radius ein und zeigt, dass bei genauer Dokumentation spezifischere Unterkodes als der unspezifische Teilkode möglich sind. |
| Kodefamilie | Bei Schaftfraktur des Radius passenden endständigen Unterkode aus dieser Familie wählen; S52.30 nicht automatisch verwenden, wenn eine genauere Segmentbeschreibung vorliegt. | Die Familie bildet den Kodierraum für isolierte Schaftfrakturen des Radius und für unspezifisch als Radiusfraktur dokumentierte Fälle ab. |
| Kodefamilie | Bei distaler Radiusfraktur zunächst die konkrete distale Unterform prüfen; S52.50 nur bei fehlender Spezifizierung, S52.51 bei dokumentierter Extensionsfraktur/Colles-Fraktur. | Distale Radiusfrakturen sind häufig und innerhalb der Familie weiter differenzierbar. |
| Abgrenzungskode | Statt eines isolierten Radiuskodes prüfen, wenn mehrere unterschiedliche Unterarmfrakturen dokumentiert sind und ein Einzelkode für Radius oder einfache Kombination nicht ausreicht. | Mehrfachfrakturen des Unterarms werden mit isolierten Radiuskodes häufig unterkodiert. |
| Abklärungskode | Nur prüfen, wenn zwar eine Unterarmfraktur dokumentiert ist, aber weder Radius noch Ulna oder Segment benannt sind; sobald Radius dokumentiert ist, spezifischer kodieren. | Dieser Kode ist ein Abklärungspfad bei unklarer Dokumentation und darf eine belegte Radiusfraktur nicht ersetzen. |
| Abgrenzungskode | Statt Frakturkodes prüfen, wenn eine Radiuskopfluxation dokumentiert ist und keine Fraktur vorliegt. | Verletzungen im Bereich des proximalen Radius werden klinisch und dokumentarisch leicht mit Frakturen verwechselt. |
| Abgrenzungskode | Statt traumatischer S52-Kodes prüfen, wenn eine aktuelle osteoporotische pathologische Radiusfraktur dokumentiert ist; den passenden Lokalisation-Unterkode innerhalb M80.- wählen. | Fragilitätsfrakturen des Radius gehören bei dokumentiertem osteoporotischem Zusammenhang nicht in den Traumapfad. |
| Abgrenzungskode | Statt S52.- prüfen, wenn die Radiusfraktur pathologisch und nicht traumatisch dokumentiert ist und kein Osteoporose-Pfad vorliegt. | Pathologische Frakturen sind ein eigener Kodierkontext und keine gewöhnlichen traumatischen Radiusfrakturen. |
| Ergänzungskode | Zusätzlichen Kode prüfen, wenn die Fraktur beim Einsetzen oder Entfernen eines orthopädischen Implantates, einer Gelenkprothese oder einer Knochenplatte aufgetreten ist. | Für Unterarmfrakturen besteht ein ausdrücklicher Kodierhinweis zur ergänzenden Abbildung dieses Eingriffsbezugs. |
| Ergänzungskode | Zusätzlichen Kode prüfen, wenn die Radiusfraktur bei bereits vorhandenem orthopädischem Gelenkimplantat dokumentiert ist. | Der Implantatkontext kann bei Unterarmfrakturen kodierrelevant sein und ist laut Kodierhinweis gesondert zu prüfen. |
Alphabetische Einträge
Zugehörige Gruppen
- M80-M85: Veränderungen der Knochendichte und -struktur
- M95-M99: Sonstige Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes
- S50-S59: Verletzungen des Ellenbogens und des Unterarmes
- Z80-Z99: Personen mit potentiellen Gesundheitsrisiken aufgrund der Familien- oder Eigenanamnese und bestimmte Zustände, die den Gesundheitszustand beeinflussen