ICD-10-GM Kodes für Zervikalneuralgie (M54.2, M50.8, G55.1*, M53.1)

Kompletter Leitfaden zur Kodierung und Dokumentation von Zervikalneuralgie. Enthält Hinweise zur kodierrelevanten Dokumentation, klinischen Plausibilität und Abgrenzung häufiger Fehlpfade.

Verwandte Begriffe: Nackenneuralgie, zervikale Neuralgie, Nackenschmerz

Kerninformation

Zervikalneuralgie wird in der Regel mit M54.2 kodiert; nicht M54.2 verwenden, wenn ein zervikaler Bandscheibenschaden als Ursache dokumentiert ist, weil dann ein spezifischer M50.-Pfad und bei dokumentierter Zervikalneuralgie auf dieser Grundlage insbesondere M50.8+ mit G55.1* zu prüfen ist.

Wichtigste Auswahlachse: dokumentierte Ursache, insbesondere zervikaler Bandscheibenschaden, sowie neurologische Ausstrahlung oder Wurzelbezug

Wichtigste Warnung: M54.2 nicht als Auffangkode verwenden, wenn die Zervikalneuralgie durch zervikalen Bandscheibenschaden oder eine ausdrücklich dokumentierte Zervikalwurzel-Läsion erklärt wird.

Kodierentscheidungen

Kode/FamilieVerwenden wennNicht verwenden wennDokumentation
Verwenden, wenn Zervikalneuralgie bzw. neuralgischer Nackenschmerz ohne dokumentierten zervikalen Bandscheibenschaden, ohne Zervikobrachial-Syndrom und ohne ausdrücklich dokumentierte Zervikalwurzel-Läsion vorliegt.Nicht verwenden, wenn ein zervikaler Bandscheibenschaden als Ursache dokumentiert ist, wenn ein Zervikobrachial-Syndrom vorliegt oder wenn eine Zervikalwurzel-Läsion ausdrücklich beschrieben ist.
  • Zervikalneuralgie bzw. neuralgischer Schmerz im Hals-/Nackenbereich
  • zervikale Lokalisation
  • keine dokumentierte brachiale Ausstrahlung als Leitsyndrom
  • keine dokumentierte zervikale Bandscheibenpathologie oder Zervikalwurzel-Läsion als Hauptursache
  • M50.8Sonstige zervikale Bandscheibenschäden
  • G55.1*Kompression von Nervenwurzeln und Nervenplexus bei Bandscheibenschäden
Verwenden, wenn ein zervikaler Bandscheibenschaden mit Zervikalneuralgie dokumentiert ist und der Zusammenhang Bandscheibenschaden → Neuralgie klar beschrieben ist.Nicht verwenden, wenn kein zervikaler Bandscheibenschaden dokumentiert ist oder wenn stattdessen ein zervikaler Bandscheibenschaden mit Radikulopathie vorliegt; dann M50.1+ mit G55.1* prüfen.
  • zervikaler Bandscheibenschaden
  • Zervikalneuralgie
  • kausaler Zusammenhang Bandscheibenschaden → Neuralgie/Nervenwurzel- oder Plexuskompression
  • keine vorrangig als Radikulopathie dokumentierte Verlaufsform
  • M53.1Zervikobrachial-Syndrom
Verwenden, wenn die Beschwerdesymptomatik als Zervikobrachial-Syndrom mit Ausstrahlung in Schulter oder Arm dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn nur lokalisierte Zervikalneuralgie ohne brachiale Ausstrahlung dokumentiert ist oder wenn ein zervikaler Bandscheibenschaden kodierleitend dokumentiert ist.
  • Zervikobrachial-Syndrom oder gleichbedeutende Formulierung
  • Beschwerden mit Ausstrahlung von Hals/Nacken in Schulter oder Arm
  • keine dokumentierte zervikale Bandscheibenpathologie als spezifischerer Hauptpfad
  • G54.2Läsionen der Zervikalwurzeln, anderenorts nicht klassifiziert
Verwenden, wenn ausdrücklich eine Läsion oder Krankheit der Zervikalwurzeln dokumentiert ist und kein spezifischerer anderenorts klassifizierter Grundleidenkode vorliegt.Nicht verwenden, wenn nur Schmerz ohne dokumentierte Wurzelläsion vorliegt oder wenn ein Bandscheibenschaden, eine Spondylose oder eine andere spezifischere Ursache den Befund genauer abbildet.
  • Läsion oder Krankheit der Zervikalwurzeln ausdrücklich dokumentiert
  • zervikale Nervenwurzel als betroffene Struktur benannt
  • anderenorts nicht klassifiziert bzw. keine spezifischere ätiologische Diagnose dokumentiert

Verwandte und abzugrenzende Kodes

Kode/FamilieRolleKodieraktionRelevanz
KodefamilieZur Einordnung innerhalb von M54.- den passenden Unterkode prüfen; für die hier behandelte Diagnose ist M54.2 der direkte Standardpfad.Die Familie ordnet Zervikalneuralgie in den unmittelbaren Bereich der symptomorientierten Wirbelsäulen- und Rückenschmerzdiagnosen ein.
  • M50.-Zervikale Bandscheibenschäden
AbgrenzungskodeBei dokumentiertem zervikalem Bandscheibenschaden einen passenden M50.-Unterkode prüfen; M54.2 dann nicht als Auffangkode verwenden.M54.2 schließt Zervikalneuralgie durch zervikalen Bandscheibenschaden aus; dann ist ein ätiologisch spezifischerer M50.-Pfad relevant.
  • M50.1Zervikaler Bandscheibenschaden mit Radikulopathie
  • G55.1*Zervikaler Bandscheibenschaden mit Radikulopathie
AbgrenzungskodeBei dokumentiertem zervikalem Bandscheibenschaden mit Radikulopathie diese Kodekombination statt eines unspezifischen Neuralgiekodes prüfen; G55.1* nicht allein verwenden.Dieser Pfad grenzt die bandscheibenbedingte radikuläre Symptomatik von der einfachen Zervikalneuralgie und vom Zervikobrachial-Syndrom ab.
  • G54.-Krankheiten von Nervenwurzeln und Nervenplexus
KodefamilieBei ausdrücklich neurologisch dokumentierter Wurzel- oder Plexuserkrankung den passenden endständigen G54.-Unterkode prüfen.Die Familie grenzt echte neurologische Zervikalwurzel-Erkrankungen von rein schmerz- oder syndromorientierten Zervikalkodes ab.
AbgrenzungskodeBei dokumentierter Radikulopathie oder Radikulitis einen passenden endständigen Unterkode aus M54.1- prüfen; M54.2 nicht verwenden, wenn radikuläre Symptomatik der eigentliche Dokumentationskern ist.Radikulopathie ist ein häufiger Verwechslungspfad bei neuralgischen Hals- und Armschmerzen und liegt kodierlogisch nicht auf derselben Ebene wie die einfache Zervikalneuralgie.
  • M47.2-Sonstige Spondylose mit Radikulopathie
AbgrenzungskodeBei dokumentierter Spondylose mit Radikulopathie einen passenden endständigen Unterkode aus M47.2- statt M54.2 oder G54.2 prüfen.Degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule mit Radikulopathie sind ein typischer spezifischerer Stattdessen-Pfad.
  • M79.18Myalgie: Sonstige [Hals, Kopf, Rippen, Rumpf, Schädel, Wirbelsäule]
AbgrenzungskodePrüfen, wenn nur muskulärer Schmerz bzw. Myalgie im Hals-Nacken-Bereich dokumentiert ist und keine Neuralgie beschrieben wird.Muskulärer Nackenschmerz wird in der Praxis leicht mit Neuralgie vermischt, ist kodierpraktisch aber ein anderer Pfad.
  • M79.2-Neuralgie und Neuritis, nicht näher bezeichnet
AbgrenzungskodeNur prüfen, wenn zwar Neuralgie oder Neuritis, aber keine zervikale Lokalisation dokumentiert ist; bei klarer Hals-/Nackenlokalisation einen spezifischeren zervikalen Kode wählen.M79.2- ist ein unspezifischer Neuralgie-Fallback und sollte bei ausdrücklich zervikaler Dokumentation in der Regel nicht verwendet werden.
  • R52.9Schmerz, nicht näher bezeichnet
AbklärungskodeNur als Abklärungspfad nutzen, wenn lediglich unspezifischer Schmerz dokumentiert ist; bei benannter Zervikalneuralgie oder anderer spezifischer Ursache durch präziseren Kode ersetzen.Der Kode hilft bei unklarer Dokumentation, darf aber nicht an die Stelle einer benannten zervikalen Diagnose treten.

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