ICD-10-GM Kodes für Überaktive Blase (N32.8, N31.82, N31.0)

Kompletter Leitfaden zur Kodierung und Dokumentation von überaktiver Blase. Enthält Hinweise zu plausibler Kodierung, erforderlicher Dokumentation und typischen Fehlerquellen.

Verwandte Begriffe: Reizblase, OAB, hyperaktive Blase

Kerninformation

Überaktive Blase wird je nach Dokumentationsbegriff mit N32.8 oder spezifischer mit N31.82 kodiert; bei neurogener bzw. zerebral enthemmter Blasenfunktionsstörung ist N31.0 statt eines nicht neurogenen OAB-Kodes zu prüfen.

Wichtigste Auswahlachse: genauer Dokumentationsbegriff und neurologischer Bezug der Blasenfunktionsstörung

Wichtigste Warnung: Symptomkodes oder reine Inkontinenzkodes nicht anstelle einer gesicherten OAB-Diagnose verwenden; bei dokumentierter Dranginkontinenz mit hyperaktiver Blase ist N32.8 zusätzlich zu prüfen.

Kodierentscheidungen

Kode/FamilieVerwenden wennNicht verwenden wennDokumentation
  • N32.8Sonstige näher bezeichnete Krankheiten der Harnblase
Verwenden, wenn eine überaktive bzw. hyperaktive Blase oder Reizblase dokumentiert ist und keine spezifischere nicht neurogene oder neurogene Einordnung vorliegt.Nicht verwenden, wenn eine Urgency-Blase bzw. instabile Blase ohne neurologisches Substrat spezifischer dokumentiert ist, eine neurogene Blasenfunktionsstörung vorliegt oder nur Symptome wie Pollakisurie/Harndrang ohne gesicherte OAB-Diagnose dokumentiert sind.
  • Diagnosebegriff wie überaktive Blase, hyperaktive Blase oder Reizblase
  • keine spezifischere Angabe wie Urgency-Blase oder instabile Blase ohne neurologisches Substrat
  • kein dokumentierter neurogener bzw. zerebraler Zusammenhang
  • N31.82Instabile Blase ohne neurologisches Substrat
Verwenden, wenn eine Urgency-Blase oder instabile Blase ohne neurologisches Substrat dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn eine neurogene bzw. zerebral enthemmte Blasenfunktionsstörung dokumentiert ist; dann N31.0 prüfen. Bei nur allgemein dokumentierter überaktiver Blase ohne diese Spezifizierung kann N32.8 ausreichend sein.
  • Diagnosebegriff Urgency-Blase oder instabile Blase ohne neurologisches Substrat
  • fehlender neurologischer bzw. neurogener Zusammenhang
  • ggf. Detrusorinstabilität oder nicht neurogene Detrusorüberaktivität
  • N31.0Ungehemmte neurogene Blasenentleerung, anderenorts nicht klassifiziert
Verwenden, wenn eine ungehemmte neurogene Blasenentleerung bzw. neurogene überaktive Blasenfunktionsstörung dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn keine neurogene Ursache dokumentiert ist und eine nicht neurogene Reizblase bzw. Urgency-Blase vorliegt; dann N32.8 oder N31.82 prüfen.
  • neurogene bzw. zerebral enthemmte Blasenfunktionsstörung
  • neurologischer oder zerebraler Zusammenhang
  • Bezeichnung wie ungehemmte neurogene Blasenentleerung oder zerebral enthemmte Harnblase
  • N39.42Dranginkontinenz
  • N32.8Sonstige näher bezeichnete Krankheiten der Harnblase
Verwenden, wenn eine Dranginkontinenz dokumentiert ist und zusätzlich eine verbundene hyperaktive bzw. überaktive Blase oder Detrusorüberaktivität angegeben ist.Nicht verwenden, wenn nur eine überaktive Blase ohne dokumentierte Dranginkontinenz vorliegt oder wenn die Dranginkontinenz ohne zusätzlich dokumentierte hyperaktive Blase/Detrusorüberaktivität angegeben ist.
  • Dranginkontinenz
  • zusätzlich hyperaktive Blase, überaktive Blase oder Detrusorüberaktivität
  • Dokumentationsbezug, dass beide Befunde gleichzeitig vorliegen

Verwandte und abzugrenzende Kodes

Kode/FamilieRolleKodieraktionRelevanz
  • N31.-Neuromuskuläre Dysfunktion der Harnblase, anderenorts nicht klassifiziert
KodefamilieAls direkte Familie für neurogene, neuromuskuläre und instabile Blasenfunktionsstörungen einordnen; bei passender Dokumentation den spezifischen endständigen N31-Unterkode wählen.Ordnet die auf dieser Seite wichtigen Alternativen N31.0 und N31.82 systematisch ein.
  • N32.-Sonstige Krankheiten der Harnblase
KodefamilieAls Blasen-Kodefamilie zur Orientierung nutzen; bei dokumentierter überaktiver Blase ohne spezifischere Einordnung ist innerhalb dieser Familie N32.8 relevant.Hilft, N32.8 im unmittelbaren Blasenkontext zu verorten, ohne die Hauptentscheidung zu duplizieren.
  • N39.4-Sonstige näher bezeichnete Harninkontinenz
AbgrenzungskodeWenn primär eine näher bezeichnete Harninkontinenz dokumentiert ist, den spezifischen Inkontinenzpfad wählen; N32.8 nur zusätzlich prüfen, wenn hyperaktive Blase oder Detrusorüberaktivität ausdrücklich mitdokumentiert ist.Überaktive Blase und Dranginkontinenz werden häufig verwechselt, sind aber nicht automatisch dieselbe Kodierung.
  • N39.3Belastungsinkontinenz [Stressinkontinenz]
AbgrenzungskodeBei Urinverlust unter Belastung, Husten oder Niesen den Stressinkontinenzpfad prüfen; eine zusätzlich dokumentierte hyperaktive Blase kann nach Kodierhinweis mit N32.8 ergänzt werden.Wichtige Abgrenzung zwischen Reizblase/Detrusorüberaktivität und Belastungsinkontinenz.
AbgrenzungskodeBei dokumentierter Zystitis den entzündlichen Blasenpfad kodieren; OAB-Kodes nicht als Ersatz für infektbedingten Harndrang oder Pollakisurie verwenden.Häufiger Fehlpfad, weil Harndrang und häufige Miktion auch infektiös bedingt sein können.
  • R35.-Polyurie, Pollakisurie und Nykturie
AbklärungskodeNur symptomatisch kodieren, wenn keine gesicherte Diagnose einer überaktiven Blase dokumentiert ist; dann passenden endständigen R35-Unterkode wählen.Wichtiger Abklärungspfad bei unvollständiger Dokumentation mit nur Frequenz- oder Nykturiesymptomatik.

Alphabetische Einträge

Zugehörige Gruppen

Weitere Suche

Zur ICD-10-GM Suche