ICD-10-GM Kodes für Herzklappenerkrankung
Kompletter Leitfaden zur Kodierung und Dokumentation von Herzklappenerkrankung. Enthält Hinweise zur kodierrelevanten Dokumentation, klinischen Plausibilität und Abgrenzung häufiger Fehlpfade.
Verwandte Begriffe: Herzklappenfehler, Klappenvitium, valvuläre Herzerkrankung
Kerninformation
Herzklappenerkrankungen werden ICD-10-GM vor allem nach Ätiologie und betroffener Klappe kodiert; für erworbene Vitien sind insbesondere die Familien I05.-, I06.-, I07.-, I08.-, I34.-, I35.-, I36.- und I37.- maßgeblich. Verwende unspezifische .9-Kodes nicht, wenn Stenose, Insuffizienz, Prolaps, eine genau benannte Mehrklappenkonstellation, eine angeborene Fehlbildung oder eine Prothesenkomplikation dokumentiert ist.
Wichtigste Auswahlachse: Ätiologie und betroffene Herzklappe
Wichtigste Warnung: Unspezifische .9-Kodes nicht verwenden, wenn die Läsion, eine angeborene Ursache oder eine Prothesenkomplikation genauer dokumentiert ist.
Kodierentscheidungen
| Kode/Familie | Verwenden wenn | Nicht verwenden wenn | Dokumentation |
|---|---|---|---|
| Verwenden, wenn eine Mitralklappenerkrankung dokumentiert ist, die Läsion aber nicht näher bezeichnet ist und kein explizit nichtrheumatischer Kodierpfad dokumentiert ist. | Nicht verwenden, wenn die Mitralklappenerkrankung ausdrücklich als nichtrheumatisch bezeichnet ist, wenn Stenose, Insuffizienz oder eine andere spezifische Läsion dokumentiert ist oder wenn eine angeborene Fehlbildung bzw. Prothesenkomplikation vorliegt. |
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| Verwenden, wenn eine rheumatische Aortenklappenerkrankung dokumentiert ist, die genaue Läsion aber nicht näher bezeichnet ist. | Nicht verwenden, wenn eine spezifische rheumatische Aortenläsion dokumentiert ist oder wenn ein nichtrheumatischer, angeborener oder prothesenbedingter Pfad vorliegt. |
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| Verwenden, wenn eine rheumatische Trikuspidalklappenerkrankung dokumentiert ist, die genaue Läsion aber nicht näher bezeichnet ist. | Nicht verwenden, wenn eine spezifische rheumatische Trikuspidalläsion dokumentiert ist oder wenn die Erkrankung nichtrheumatisch, angeboren oder prothesenbedingt ist. |
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| Verwenden, wenn eine Krankheit mehrerer Herzklappen dokumentiert ist, die Ursache rheumatisch oder nicht näher bezeichnet ist und die Klappenkombination nicht genauer benannt wird. | Nicht verwenden, wenn nur eine einzelne Klappe betroffen ist, wenn die Klappenkombination genauer dokumentiert ist oder wenn eine angeborene bzw. ausdrücklich nichtrheumatische Mehrklappenerkrankung vorliegt. |
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| Verwenden, wenn eine nichtrheumatische Mitralklappenerkrankung dokumentiert ist, die genaue Läsion aber nicht näher bezeichnet ist. | Nicht verwenden, wenn Stenose, Insuffizienz, Prolaps oder eine andere spezifische nichtrheumatische Mitralläsion dokumentiert ist oder wenn ein rheumatischer, angeborener oder prothesenbedingter Pfad vorliegt. |
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| Verwenden, wenn eine erworbene Aortenklappenerkrankung ohne rheumatischen Bezug dokumentiert ist, die genaue Läsion aber nicht näher bezeichnet ist. | Nicht verwenden, wenn eine rheumatische Aortenklappenerkrankung, eine angeborene Fehlbildung, eine Prothesenkomplikation oder eine spezifische Aortenklappenläsion dokumentiert ist. |
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| Verwenden, wenn eine nichtrheumatische Trikuspidalklappenerkrankung dokumentiert ist, die genaue Läsion aber nicht näher bezeichnet ist. | Nicht verwenden, wenn eine spezifische nichtrheumatische Trikuspidalläsion dokumentiert ist oder wenn die Erkrankung rheumatisch, angeboren oder prothesenbedingt ist. |
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| Verwenden, wenn eine erworbene Pulmonalklappenerkrankung dokumentiert ist, die genaue Läsion aber nicht näher bezeichnet ist. | Nicht verwenden, wenn eine spezifische Pulmonalklappenläsion, eine angeborene Fehlbildung, ein rheumatischer Bezug oder eine Prothesenkomplikation dokumentiert ist. |
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Verwandte und abzugrenzende Kodes
| Kode/Familie | Rolle | Kodieraktion | Relevanz |
|---|---|---|---|
| Kodefamilie | Bei dokumentierter Mitralstenose, Mitralinsuffizienz oder kombinierter Läsion einen spezifischeren Unterkode innerhalb von I05.- prüfen statt pauschal I05.9 zu wählen. | Die Familie ordnet den rheumatischen bzw. nicht ausdrücklich nichtrheumatischen Mitralklappenpfad ein. |
| Kodefamilie | Bei genauer beschriebener rheumatischer Aortenstenose, -insuffizienz oder Kombination den passenden Unterkode innerhalb von I06.- wählen. | Die Familie erklärt den rheumatischen Kodierraum für Aortenklappenerkrankungen. |
| Kodefamilie | Bei Befall mehrerer Klappen nicht automatisch Einzelklappenkodes wählen; innerhalb von I08.- die dokumentierte Klappenkombination prüfen. | Mehrklappenerkrankungen haben einen eigenen Kodierpfad und sind eine häufige Quelle für Fehlzuordnungen. |
| Kodefamilie | Bei nichtrheumatischer Mitralstenose, Mitralinsuffizienz, Prolaps oder Kombination den passenden Unterkode innerhalb von I34.- prüfen; I34.9 nur bei fehlender Spezifizierung verwenden. | Diese Familie ist der zentrale nichtrheumatische Kodierraum für Mitralklappenerkrankungen. |
| Kodefamilie | Bei dokumentierter Aortenstenose, Aorteninsuffizienz oder kombinierter Aortenläsion den spezifischen Unterkode innerhalb von I35.- wählen. | Die Familie ordnet den erworbenen nichtrheumatischen Aortenklappenpfad ein. |
| Kodefamilie | Bei dokumentierter Pulmonalstenose, Pulmonalinsuffizienz oder kombinierter Läsion den spezifischen Unterkode innerhalb von I37.- prüfen. | Pulmonalklappenerkrankungen werden außerhalb der Mitral-, Aorten- und Trikuspidalkategorien eigenständig geführt. |
| Abgrenzungskode | Bei angeborenem Pulmonal- oder Trikuspidalklappenfehler statt erworbenem I-Kode den passenden Q22.-Unterkode prüfen. | Angeborene Rechtsherzklappenfehlbildungen gehören nicht in die erworbenen Klappenvitien des Kapitels I. |
| Abgrenzungskode | Bei angeborenem Aorten- oder Mitralklappenfehler statt erworbenem I-Kode den passenden Q23.-Unterkode prüfen. | Angeborene Linksherzklappenfehlbildungen sind ein zentraler Stattdessen-Pfad bei Herzklappenfehlern. |
| Abgrenzungskode | Bei infektiöser Endokarditis oder klappendestruierender Endokarditis nicht nur ein unspezifisches Klappenvitium kodieren, sondern den Endokarditis-Pfad prüfen. | Infektiöse Endokarditis ist ein häufig verwechselter, eigenständiger Kodierpfad mit direktem Klappenbezug. |
| Abgrenzungskode | Bei Leckage, Obstruktion, Fehllage oder mechanischem Versagen einer Herzklappenprothese den Komplikationskode prüfen statt eine native Klappenerkrankung anzunehmen. | Prothesenkomplikationen sind ein wichtiger Stattdessen-Pfad und keine gewöhnliche Herzklappenerkrankung nativer Klappen. |
| Abklärungskode | Wenn nur ein Herzgeräusch oder der Verdacht auf ein Klappenvitium dokumentiert ist, zunächst den Befundpfad prüfen; bei gesicherter Herzklappenerkrankung einen spezifischen I- oder Q-Kode wählen. | Der Eintrag verhindert die Überkodierung eines Herzklappenfehlers bei noch ungesicherter Diagnose. |
Alphabetische Einträge
- Mitralklappenstenose mit Insuffizienz
- Rheumatische Aortenklappenstenose mit Insuffizienz
- Aortenklappenstenose mit Insuffizienz
- Nichtrheumatische Trikuspidalklappenstenose mit Insuffizienz
- Pulmonalklappenstenose mit Insuffizienz
- Nichtrheumatische Mitralklappenstenose mit Mitralklappeninsuffizienz
- Pulmonalklappeninsuffizienz mit Stenose
- Trikuspidalklappenstenose mit Insuffizienz
- Rheumatische Mitralklappeninsuffizienz mit Stenose
- Trikuspidalklappenstenose mit Insuffizienz und Aortenklappenkrankheit
- Mitralstenose mit Mitralinsuffizienz
- Mitralstenose mit Insuffizienz
- Rheumatische Aortenstenose mit Insuffizienz
- Trikuspidalstenose mit Insuffizienz
- Vierklappenvitium
Zugehörige Gruppen
- I05-I09: Chronische rheumatische Herzkrankheiten
- I30-I52: Sonstige Formen der Herzkrankheit
- Q20-Q28: Angeborene Fehlbildungen des Kreislaufsystems
- R00-R09: Symptome, die das Kreislaufsystem und das Atmungssystem betreffen
- T80-T88: Komplikationen bei chirurgischen Eingriffen und medizinischer Behandlung, anderenorts nicht klassifiziert