ICD-10-GM Kodes für Gleichgewichtsstörung (R42, H81.-)

Kompletter Leitfaden zur Kodierung und Dokumentation von Gleichgewichtsstörung. Enthält Hinweise zur kodierrelevanten Dokumentation, klinischen Plausibilität und Abgrenzung häufiger Fehlpfade.

Verwandte Begriffe: Schwindel, Balanceproblem, Störung des Gleichgewichts

Kerninformation

Gleichgewichtsstörung wird bei reiner Symptomdokumentation meist mit R42 kodiert; ist stattdessen ein spezifisches Schwindelsyndrom bzw. eine Störung der Vestibularfunktion dokumentiert, ist ein passender endständiger H81-Unterkode zu wählen.

Wichtigste Auswahlachse: unspezifische Symptomdokumentation versus spezifisch dokumentierte Störung der Vestibularfunktion bzw. spezifisches Schwindelsyndrom

Wichtigste Warnung: R42 nicht verwenden, wenn bereits eine spezifische vestibuläre Diagnose oder ein Schwindel zentralen Ursprungs dokumentiert ist.

Kodierentscheidungen

Kode/FamilieVerwenden wennNicht verwenden wennDokumentation
  • R42Schwindel und Taumel
Verwenden, wenn nur eine unspezifische Gleichgewichtsstörung bzw. Schwindel-/Taumelsymptomatik dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn ein spezifisches Schwindelsyndrom oder eine Störung der Vestibularfunktion dokumentiert ist; dann passenden H81-Unterkode prüfen.
  • Symptomdiagnose Gleichgewichtsstörung, Schwindel oder Taumel
  • keine spezifische vestibuläre Diagnose dokumentiert
  • keine gesicherte andere konkrete Ursache als Hauptdiagnose dokumentiert
Verwenden, wenn eine Ménière-Krankheit als Ursache der Gleichgewichtsstörung dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn lediglich Schwindel ohne dokumentierte Ménière-Diagnose vorliegt oder ein anderer spezifischer vestibulärer Kode besser passt.
  • Diagnose Ménière-Krankheit bzw. Ménière-Syndrom
  • vestibuläre Ursache dokumentiert
  • keine bloße unspezifische Schwindelsymptomatik
  • H81.1Benigner paroxysmaler Schwindel
Verwenden, wenn benigner paroxysmaler Schwindel als konkrete Diagnose dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn nur allgemeiner Schwindel dokumentiert ist oder die Dokumentation stattdessen auf Ménière-Krankheit, Neuropathia vestibularis oder sonstigen peripheren Schwindel hinweist.
  • benigner paroxysmaler Schwindel bzw. Lagerungsschwindel dokumentiert
  • vestibuläre Diagnose gestellt
  • keine passendere andere vestibuläre Unterform dokumentiert
  • H81.2Neuropathia vestibularis
Verwenden, wenn eine Neuropathia vestibularis als Ursache der Gleichgewichtsstörung dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn nur Schwindel ohne dokumentierte Neuropathia vestibularis vorliegt oder ein anderer spezifischer H81-Kode zutrifft.
  • Neuropathia vestibularis bzw. Vestibularis-Neuronitis dokumentiert
  • vestibuläre Genese dokumentiert
  • keine bloße Symptomdiagnose
  • H81.3Sonstiger peripherer Schwindel
Verwenden, wenn ein sonstiger peripherer Schwindel als Ursache der Gleichgewichtsstörung dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn nur eine unspezifische Symptomangabe vorliegt oder eine spezifischere Unterform wie H81.0, H81.1 oder H81.2 dokumentiert ist.
  • peripherer, otogener oder ohrbezogener Schwindel dokumentiert
  • keine Zuordnung zu Ménière-Krankheit, benignem paroxysmalem Schwindel oder Neuropathia vestibularis
  • vestibuläre/periphere Genese dokumentiert
  • H81.4Schwindel zentralen Ursprungs
Verwenden, wenn Schwindel bzw. Gleichgewichtsstörung zentralen Ursprungs dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn eine zentrale Genese nicht dokumentiert ist oder lediglich unspezifischer Schwindel vorliegt; dann R42 prüfen.
  • Schwindel oder Gleichgewichtsstörung
  • zentrale Genese dokumentiert
  • keine bloße Verdachtsangabe ohne gesicherte zentrale Zuordnung
  • H81.8Sonstige Störungen der Vestibularfunktion
Verwenden, wenn eine sonstige näher bezeichnete Störung der Vestibularfunktion dokumentiert ist, die keiner spezifischeren H81-Unterform zugeordnet werden kann.Nicht verwenden, wenn nur eine unspezifische Gleichgewichtsstörung dokumentiert ist oder ein spezifischerer H81-Kode vorliegt.
  • sonstige näher bezeichnete Störung der Vestibularfunktion dokumentiert
  • vestibuläre Ursache dokumentiert
  • keine passendere spezifische H81-Unterform dokumentiert
  • H81.9Störung der Vestibularfunktion, nicht näher bezeichnet
Verwenden, wenn eine vestibuläre Funktionsstörung dokumentiert ist, aber keine weitere Unterform angegeben wird.Nicht verwenden, wenn nur das Symptom Gleichgewichtsstörung/Schwindel ohne vestibuläre Diagnose dokumentiert ist; dann R42 prüfen. Nicht verwenden, wenn eine spezifischere H81-Unterform dokumentiert ist.
  • Diagnose Störung der Vestibularfunktion bzw. Schwindelsyndrom
  • fehlende weitere Spezifizierung der Unterform
  • vestibuläre Einordnung dokumentiert

Verwandte und abzugrenzende Kodes

Kode/FamilieRolleKodieraktionRelevanz
  • H81.-Störungen der Vestibularfunktion
KodefamilieBei dokumentierter vestibulärer Ursache passenden endständigen H81-Unterkode statt eines reinen Symptomkodes wählen.Die Familie H81.- ordnet den zentralen spezifischen Kodierraum für vestibulär bedingte Gleichgewichtsstörungen ein.
  • H82*Schwindelsyndrome bei anderenorts klassifizierten Krankheiten
ManifestationskodeNicht allein verwenden; nur zusammen mit passendem Primär-/Ätiologiekode kodieren, wenn das Schwindelsyndrom als Manifestation einer anderenorts klassifizierten Krankheit dokumentiert ist.Der Sternkode ist relevant, wenn die Gleichgewichtsstörung nicht als eigenständige vestibuläre Diagnose, sondern als Folge einer Grunderkrankung dokumentiert ist.
OrientierungsbereichNur zur Orientierung verwenden; bei innenohrbezogener Ursache konkrete Kategorie, meist aus H81.-, prüfen.Der Bereich ordnet vestibuläre und andere innenohrbezogene Ursachen von Gleichgewichtsstörungen systematisch ein.
  • R26.-Störungen des Ganges und der Mobilität
AbgrenzungskodeDiesen Symptompfad prüfen, wenn primär Gangunsicherheit, Gehschwierigkeit oder Mobilitätsstörung dokumentiert ist und nicht Schwindel bzw. vestibuläre Störung.Gangstörung und Gleichgewichtsstörung werden häufig verwechselt, liegen kodierlogisch aber nicht immer im selben Pfad.
  • R55Synkope und Kollaps
AbgrenzungskodeDiesen Alternativpfad prüfen, wenn Ohnmacht, Kollaps oder Präsynkope statt einer eigentlichen Gleichgewichtsstörung dokumentiert ist.Benommenheit oder Fallneigung wird in der Praxis teils als Gleichgewichtsstörung beschrieben, kodierpraktisch kann aber ein Synkopenpfad gemeint sein.

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