ICD-10-GM Kodes für Bandscheibenvorfall (M50.-, M51.-)

Kompletter Leitfaden zur Kodierung und Dokumentation von Bandscheibenvorfall. Enthält Hinweise zur kodierrelevanten Dokumentation, klinischen Plausibilität und Abgrenzung häufiger Fehlpfade.

Verwandte Begriffe: Diskusprolaps, Bandscheibenprolaps, Nucleus-pulposus-Prolaps

Kerninformation

Bandscheibenvorfall wird vor allem nach Wirbelsäulenregion und neurologischer Komplikation kodiert: zervikale Vorfälle unter M50.-, thorakale, lumbale und sonstige nichtzervikale Vorfälle überwiegend unter M51.-. Verwende M50.2 oder M51.2 nicht, wenn eine dokumentierte Myelopathie oder Radikulopathie eine spezifischere Unterkategorie stützt.

Wichtigste Auswahlachse: Wirbelsäulenregion und dokumentierte neurologische Komplikation (Myelopathie, Radikulopathie oder keine)

Wichtigste Warnung: M50.2 und M51.2 nicht verwenden, wenn Myelopathie oder Radikulopathie dokumentiert sind; außerdem zervikale und nichtzervikale Vorfälle nicht derselben Kodefamilie zuordnen.

Kodierentscheidungen

Kode/FamilieVerwenden wennNicht verwenden wennDokumentation
  • M50.0Zervikaler Bandscheibenschaden mit Myelopathie
Verwenden, wenn ein zervikaler Bandscheibenvorfall bzw. eine zervikale Bandscheibenverlagerung mit dokumentierter Myelopathie vorliegt.Nicht verwenden, wenn keine Myelopathie dokumentiert ist oder der Vorfall nicht zervikal lokalisiert ist; bei zervikaler Radikulopathie M50.1, bei zervikaler Verlagerung ohne neurologische Komplikation M50.2 prüfen.
  • Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenverlagerung
  • zervikale/HWS-Lokalisation
  • Myelopathie
  • dokumentierter Zusammenhang zwischen Bandscheibenschaden und Myelopathie
  • M50.1Zervikaler Bandscheibenschaden mit Radikulopathie
Verwenden, wenn ein zervikaler Bandscheibenvorfall bzw. eine zervikale Bandscheibenverlagerung mit dokumentierter Radikulopathie vorliegt.Nicht verwenden, wenn eine Myelopathie dokumentiert ist, wenn nur eine unspezifische Radikulopathie ohne dokumentierten Diskusbezug vorliegt oder wenn der Vorfall nicht zervikal lokalisiert ist; dann M50.0, M54.1- oder M51.1 prüfen.
  • Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenverlagerung
  • zervikale/HWS-Lokalisation
  • Radikulopathie
  • dokumentierter Zusammenhang zwischen Bandscheibenschaden und Radikulopathie
  • M50.2Sonstige zervikale Bandscheibenverlagerung
Verwenden, wenn ein zervikaler Bandscheibenvorfall bzw. eine zervikale Bandscheibenverlagerung ohne dokumentierte Myelopathie oder Radikulopathie vorliegt.Nicht verwenden, wenn Myelopathie oder Radikulopathie dokumentiert sind; dann M50.0 oder M50.1 prüfen. Nicht verwenden bei thorakalem, lumbalem oder sonstigem nichtzervikalem Vorfall.
  • Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenverlagerung
  • zervikale/HWS-Lokalisation
  • keine dokumentierte Myelopathie
  • keine dokumentierte Radikulopathie
  • M51.0Lumbale und sonstige Bandscheibenschäden mit Myelopathie
Verwenden, wenn ein thorakaler, thorakolumbaler, lumbaler, lumbosakraler oder sonstiger nichtzervikaler Bandscheibenvorfall mit dokumentierter Myelopathie vorliegt.Nicht verwenden, wenn der Vorfall zervikal lokalisiert ist oder wenn keine Myelopathie dokumentiert ist; bei nichtzervikaler Radikulopathie M51.1, bei nichtzervikaler Verlagerung ohne neurologische Komplikation M51.2 prüfen.
  • Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenverlagerung
  • thorakale, thorakolumbale, lumbale, lumbosakrale oder sonstige nichtzervikale Lokalisation
  • Myelopathie
  • dokumentierter Zusammenhang zwischen Bandscheibenschaden und Myelopathie
  • M51.1Lumbale und sonstige Bandscheibenschäden mit Radikulopathie
Verwenden, wenn ein thorakaler, thorakolumbaler, lumbaler, lumbosakraler oder sonstiger nichtzervikaler Bandscheibenvorfall mit dokumentierter Radikulopathie vorliegt.Nicht verwenden, wenn eine Myelopathie dokumentiert ist, wenn nur eine unspezifische Radikulopathie ohne dokumentierten Diskusbezug vorliegt oder wenn der Vorfall zervikal lokalisiert ist; dann M51.0, M54.1- oder M50.1 prüfen.
  • Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenverlagerung
  • thorakale, thorakolumbale, lumbale, lumbosakrale oder sonstige nichtzervikale Lokalisation
  • Radikulopathie
  • dokumentierter Zusammenhang zwischen Bandscheibenschaden und Radikulopathie
  • M51.2Sonstige näher bezeichnete Bandscheibenverlagerung
Verwenden, wenn ein thorakaler, thorakolumbaler, lumbaler, lumbosakraler oder sonstiger nichtzervikaler Bandscheibenvorfall bzw. eine Bandscheibenverlagerung ohne dokumentierte Myelopathie oder Radikulopathie vorliegt.Nicht verwenden, wenn Myelopathie oder Radikulopathie dokumentiert sind; dann M51.0 oder M51.1 prüfen. Nicht verwenden bei zervikalem Vorfall oder bei intraspongiösem Diskusprolaps/Schmorl-Knötchen; dann M50.2 bzw. M51.4 prüfen.
  • Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenverlagerung
  • thorakale, thorakolumbale, lumbale, lumbosakrale oder sonstige nichtzervikale Lokalisation
  • keine dokumentierte Myelopathie
  • keine dokumentierte Radikulopathie
Verwenden, wenn ein intraspongiöser Diskusprolaps bzw. ein Schmorl-Knötchen dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn ein gewöhnlicher zervikaler oder nichtzervikaler Bandscheibenvorfall/Bandscheibenprolaps dokumentiert ist oder wenn Myelopathie bzw. Radikulopathie eine spezifischere Kodierung unter M50.0, M50.1, M51.0 oder M51.1 stützt.
  • intraspongiöser Diskusprolaps oder Schmorl-Knötchen
  • betroffene Bandscheibe/Region, wenn dokumentiert
  • keine passendere Kodierung als Bandscheibenverlagerung mit Myelopathie oder Radikulopathie

Verwandte und abzugrenzende Kodes

Kode/FamilieRolleKodieraktionRelevanz
  • M50.-Zervikale Bandscheibenschäden
KodefamilieAls Orientierung für zervikale Bandscheibenvorfälle nutzen; für die eigentliche Kodierung den passenden endständigen M50-Unterkode nach Myelopathie, Radikulopathie oder sonstiger Verlagerung wählen.Die Seite trennt zervikale Prolapse systematisch von thorakalen, lumbalen und sonstigen nichtzervikalen Vorfällen.
  • M51.-Sonstige Bandscheibenschäden
KodefamilieAls Orientierung für thorakale, thorakolumbale, lumbale, lumbosakrale und sonstige nichtzervikale Bandscheibenvorfälle nutzen; für die eigentliche Kodierung den passenden endständigen M51-Unterkode nach neurologischer Komplikation oder Sonderform wählen.Nichtzervikale Bandscheibenvorfälle und Sonderformen wie Schmorl-Knötchen werden in diesem Kodierraum eingeordnet.
  • G55.1*Kompression von Nervenwurzeln und Nervenplexus bei Bandscheibenschäden
ManifestationskodeNur als Sternkode zusammen mit einem passenden Primärkode für Bandscheibenschäden mit Radikulopathie verwenden; nicht allein kodieren.Bei diskogener Radikulopathie erklärt dieser Sternkode die Manifestation der Nervenwurzelkompression im Kreuz-Stern-System.
  • G99.2*Kompression des Rückenmarkes bei anderenorts klassifizierten Krankheiten
ManifestationskodeNur als Sternkode zusammen mit einem passenden Primärkode für Bandscheibenschäden mit Myelopathie verwenden; nicht allein kodieren.Bei diskogener Myelopathie bildet dieser Sternkode die neurologische Manifestation im Kreuz-Stern-System ab.
AbgrenzungskodeDiesen Pfad nur prüfen, wenn eine Radikulopathie dokumentiert ist, aber kein Bandscheibenvorfall als Ursache gesichert dokumentiert ist; dann den passenden endständigen M54.1-Unterkode wählen.Verhindert die Fehlkodierung einer unspezifischen Radikulopathie als Bandscheibenvorfall.
AbklärungskodeNur verwenden, wenn Lumboischialgie dokumentiert ist, aber kein Bandscheibenvorfall gesichert ist; sobald ein diskogener Prolaps dokumentiert ist, den spezifischen M51.-Pfad wählen.Häufiger symptomorientierter Such- und Abklärungspfad bei lumbalen Beschwerden mit Ausstrahlung.
  • M47.2-Sonstige Spondylose mit Radikulopathie
AbgrenzungskodeBei spondylotisch verursachter Radikulopathie statt Bandscheibenvorfall den passenden endständigen M47.2-Unterkode wählen.Radikuläre Beschwerden können statt durch einen Diskusprolaps auch durch degenerativ-knöcherne Veränderungen verursacht sein.
  • G83.4-Cauda- (equina-) Syndrom
KontextkodeNur zusätzlich kodieren, wenn ein Cauda-equina-Syndrom eigenständig ärztlich dokumentiert ist; dabei den passenden endständigen G83.4-Unterkode wählen und nicht automatisch aus jedem lumbalen Bandscheibenvorfall ableiten.Schwere neurologische Begleitdiagnose bei großen lumbalen oder lumbosakralen Prolapsen mit eigener Dokumentations- und Kodierrelevanz.

Alphabetische Einträge

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