ICD-10-GM Kodes für Atemnot (Dyspnoe) (R06.0)

Kompletter Leitfaden zur Kodierung und Dokumentation von Atemnot. Enthält Hinweise zur kodierrelevanten Dokumentation, klinischen Plausibilität und Abgrenzung häufiger Fehlpfade.

Verwandte Begriffe: Atemnot, Dyspnoe, Kurzatmigkeit

Kerninformation

Atemnot wird bei reiner Symptomdokumentation mit R06.0 kodiert; entscheidend ist, ob nur Dyspnoe oder bereits eine spezifische Form bzw. Ursache wie psychogene, respiratorische, kardiale oder asthmatische Dyspnoe dokumentiert ist. R06.0 nicht als Ausweich- oder Zusatzkode verwenden, wenn die Dokumentation bereits einen spezifischeren Krankheitskode trägt.

Wichtigste Auswahlachse: nur Symptom Dyspnoe versus bereits spezifisch dokumentierte Form oder Ursache

Wichtigste Warnung: R06.0 nicht unspezifisch zusätzlich oder ersatzweise verwenden, wenn die Atemnot bereits durch eine spezifische Diagnose wie respiratorische Insuffizienz, Asthma oder Herzinsuffizienz abgebildet wird.

Kodierentscheidungen

Kode/FamilieVerwenden wennNicht verwenden wennDokumentation
Verwenden, wenn Atemnot bzw. Dyspnoe nur als Symptom dokumentiert ist und keine spezifischere gesicherte Diagnose den Beschwerdegrund bereits kodierpräziser abbildet.Nicht verwenden, wenn die Atemnot bereits als psychogen, respiratorisch, kardial, asthmatisch oder durch eine andere konkrete Erkrankung spezifischer dokumentiert ist; dann den spezifischeren Krankheitskode prüfen.
  • Atemnot/Dyspnoe/Kurzatmigkeit bzw. Orthopnoe als Symptom
  • keine spezifischere gesicherte Ursachendiagnose
  • ggf. Formangabe wie Belastungs-, Ruhe-, nächtliche oder paroxysmale Dyspnoe
  • F45.33Somatoforme autonome Funktionsstörung: Atmungssystem
Verwenden, wenn psychogene, funktionelle oder hysterische Dyspnoe dokumentiert ist und der Beschwerdekomplex dem psychogenen bzw. somatoformen Atemwegspfad zugeordnet wird.Nicht verwenden, wenn nur unspezifische Dyspnoe ohne psychogenen Zusammenhang oder eine organische respiratorische, kardiale oder asthmatische Ursache dokumentiert ist.
  • psychogene/funktionelle/hysterische Dyspnoe
  • Bezug zum Atmungssystem bzw. somatoformer/psychogener Zusammenhang
  • keine vorrangig dokumentierte organische Ursache
  • J96.09Akute respiratorische Insuffizienz, anderenorts nicht klassifiziert: Typ nicht näher bezeichnet
Verwenden, wenn akute respiratorische Dyspnoe im Sinne einer akuten respiratorischen Insuffizienz dokumentiert ist und keine nähere Typangabe vorliegt.Nicht verwenden, wenn nur Dyspnoe ohne dokumentierte respiratorische Insuffizienz vorliegt oder ein spezifischerer Alternativpfad wie ARDS oder postprozedurale respiratorische Insuffizienz dokumentiert ist.
  • akute respiratorische Dyspnoe bzw. akute respiratorische Insuffizienz
  • Akutheit
  • respiratorischer Zusammenhang
  • J96.99Respiratorische Insuffizienz, nicht näher bezeichnet: Typ nicht näher bezeichnet
Verwenden, wenn respiratorische Dyspnoe bzw. eine respiratorische Insuffizienz ohne nähere Typangabe dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn nur das Symptom Dyspnoe ohne respiratorische Insuffizienz dokumentiert ist oder eine akut, chronisch oder sonst spezifischer bezeichnete respiratorische Insuffizienz vorliegt.
  • respiratorische Dyspnoe bzw. respiratorische Insuffizienz
  • fehlende nähere Typangabe
  • keine dokumentierte Akut-/Chronik- oder spezifischere Unterform
  • I50.19Linksherzinsuffizienz: Nicht näher bezeichnet
Verwenden, wenn kardiale Dyspnoe ausdrücklich dokumentiert ist und keine spezifischere Form der Herzinsuffizienz angegeben wird.Nicht verwenden, wenn nur unspezifische Dyspnoe ohne kardialen Bezug oder eine genauer bezeichnete Herzinsuffizienz dokumentiert ist; dann den passenderen Herzinsuffizienzkode wählen.
  • kardiale Dyspnoe
  • kardialer bzw. linksherzinsuffizienzbezogener Zusammenhang
  • keine genauere Herzinsuffizienzspezifizierung
  • J45.99Asthma bronchiale, nicht näher bezeichnet: Ohne Angabe zu Kontrollstatus und Schweregrad
Verwenden, wenn asthmatische Dyspnoe bzw. Asthma bronchiale ohne nähere Asthmaspezifizierung dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn Status asthmaticus, akutes schweres Asthma oder eine spezifischere Asthmaform mit dokumentiertem Kontrollstatus oder Schweregrad vorliegt.
  • asthmatische Dyspnoe bzw. Asthma bronchiale
  • keine nähere Asthmaform dokumentiert
  • Kontrollstatus und Schweregrad nicht angegeben

Verwandte und abzugrenzende Kodes

Kode/FamilieRolleKodieraktionRelevanz
  • R06.-Störungen der Atmung
KodefamilieZur Orientierung in der direkten Symptomfamilie; für dokumentierte Atemnot den passenden endständigen Unterkode wählen, meist R06.0.Ordnet Dyspnoe in die unmittelbare ICD-10-GM-Familie der Atmungsstörungen ein.
  • R00-R09Symptome, die das Kreislaufsystem und das Atmungssystem betreffen
OrientierungsbereichNur zur systematischen Einordnung verwenden; für die Kodierung immer die konkrete Symptom- oder Krankheitskategorie auswählen.Hilft, Atemnot als Symptomkode im übergeordneten R-Bereich einzuordnen.
  • J96.-Respiratorische Insuffizienz, anderenorts nicht klassifiziert
AbgrenzungskodeStatt eines reinen Dyspnoe-Symptomkodes prüfen, wenn respiratorische Insuffizienz oder Atemversagen dokumentiert ist.Schwere Atemnot wird häufig fälschlich nur symptomatisch kodiert, obwohl ein spezifischer respiratorischer Krankheitskode vorliegt.
AbgrenzungskodeBei dokumentiertem Asthma den passenden J45.-Unterkode bzw. bei Status asthmaticus J46 prüfen; R06.0 nicht als Ersatz verwenden.Asthma ist ein häufiger spezifischer Ursachepfad bei Luftnot und verdrängt den reinen Symptomkode.
AbgrenzungskodeBei dokumentierter kardialer Ursache oder Herzinsuffizienz primär den passenden I50.-Unterkode prüfen.Kardial bedingte Atemnot ist ein typischer Fehlpfad, wenn nur das Symptom statt der Grunderkrankung verschlüsselt wird.
AbgrenzungskodeNicht unter Dyspnoe zusammenfassen; bei Atemstillstand oder Herz-Lungen-Versagen R09.2 prüfen.Atemstillstand ist kein bloßer Schweregrad von Atemnot, sondern ein eigener Kodierpfad.
  • P22.-Atemnot beim Neugeborenen
AbgrenzungskodeBei neonataler Atemnot nicht den allgemeinen Dyspnoe-Symptompfad verwenden, sondern den neonatologischen Kodebereich prüfen.R06.- schließt Atemnot beim Neugeborenen aus; die Altersgruppe führt in einen anderen Kodierraum.
  • J80.-Atemnotsyndrom des Erwachsenen [ARDS]
AbgrenzungskodeBei dokumentiertem ARDS den spezifischen J80.-Pfad statt eines allgemeinen Dyspnoe- oder Insuffizienzkodes prüfen.ARDS ist eine spezifische schwere respiratorische Erkrankung und sollte nicht auf den unspezifischen Atemnotpfad reduziert werden.

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