ICD-10-GM Kodes für Anfallsähnliche Aktivität (R56.8)

Kompletter Leitfaden zur Kodierung und Dokumentation von anfallsähnlicher Aktivität. Enthält Hinweise zu plausibler Kodierung, erforderlicher Dokumentation und typischen Fehlerquellen.

Verwandte Begriffe: Krampfanfall, krampfartige Episode, anfallsähnliche Episode

Kerninformation

Anfallsähnliche Aktivität wird meist mit R56.8 kodiert, wenn nur eine unspezifische krampfartige Episode dokumentiert ist; bei Fieberkrampf, Neugeborenenkrämpfen, dissoziativem oder psychogenem Anfall sowie bei Epilepsie ist ein spezifischerer Kodierpfad zu wählen.

Wichtigste Auswahlachse: ob nur eine unspezifische anfallsähnliche Episode oder bereits eine spezifische Einordnung wie Fieberkrampf, Neugeborenenkrämpfe, dissoziativer/psychogener Anfall oder Epilepsie dokumentiert ist

Wichtigste Warnung: R56.8 nicht verwenden, wenn bereits eine spezifische Diagnose wie Fieberkrampf, Epilepsie, Status epilepticus, dissoziativer Krampfanfall, psychogener Anfall oder Neugeborenenkrämpfe dokumentiert ist.

Kodierentscheidungen

Kode/FamilieVerwenden wennNicht verwenden wennDokumentation
  • R56.8Sonstige und nicht näher bezeichnete Krämpfe
Verwenden, wenn nur eine unspezifische anfallsähnliche oder krampfartige Episode dokumentiert ist und keine spezifischere Einordnung vorliegt.Nicht verwenden, wenn Fieberkrampf, Krämpfe beim Neugeborenen, dissoziativer Krampfanfall, psychogener Anfall, Epilepsie oder Status epilepticus dokumentiert sind.
  • anfallsähnliche oder krampfartige Episode
  • keine spezifischere diagnostische Einordnung dokumentiert
  • kein Fieberbezug dokumentiert
  • kein Neugeborenenkontext
Verwenden, wenn ein Fieberkrampf bzw. ein Krampfanfall im Zusammenhang mit Fieber dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn der Anfall afebril ist, eine Epilepsie oder ein Status epilepticus dokumentiert ist oder es sich um Krämpfe beim Neugeborenen handelt.
  • Fieberkrampf oder Krampfanfall bei Fieber
  • dokumentierter Fieberbezug
  • kein Neugeborenenkontext
  • kein Status epilepticus dokumentiert
  • P90Krämpfe beim Neugeborenen
Verwenden, wenn Krämpfe oder Anfälle beim Neugeborenen dokumentiert sind.Nicht verwenden, wenn die Episode außerhalb der Neugeborenenperiode auftritt; dann symptomatischen oder spezifischeren neurologischen Kodierpfad prüfen.
  • Neugeborenes
  • Krämpfe oder Anfälle
  • zeitlicher Bezug zur Neugeborenenperiode
  • F44.5Dissoziative Krampfanfälle
Verwenden, wenn ein dissoziativer Krampfanfall bzw. hysterischer Anfall dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn nur eine unspezifische krampfartige Episode ohne dissoziative Einordnung dokumentiert ist oder wenn Fieberkrampf, Epilepsie oder Neugeborenenkrämpfe vorliegen.
  • dissoziativer Krampfanfall oder hysterischer Anfall
  • anfallsartige Episode
  • dissoziative Einordnung dokumentiert
  • F44.88Sonstige dissoziative Störungen [Konversionsstörungen]
Verwenden, wenn ein psychogener Anfall dokumentiert ist und keine spezifischere Zuordnung als dissoziativer Krampfanfall vorliegt.Nicht verwenden, wenn ein dissoziativer Krampfanfall ausdrücklich dokumentiert ist; dann F44.5 prüfen, oder wenn eine epileptische, febrile oder neonatale Ursache dokumentiert ist.
  • psychogener Anfall
  • anfallsartige Episode
  • psychogene Einordnung dokumentiert
  • keine präzisere Dokumentation als dissoziativer Krampfanfall

Verwandte und abzugrenzende Kodes

Kode/FamilieRolleKodieraktionRelevanz
  • R56.-Krämpfe, anderenorts nicht klassifiziert
KodefamilieZur Orientierung im symptomatischen Krampfpfad den passenden endständigen Unterkode wählen; typischerweise R56.0 oder R56.8 prüfen.Die Familie ordnet febrile sowie sonstige bzw. nicht näher bezeichnete Krämpfe systematisch ein.
AbgrenzungskodeBei dokumentierter Epilepsie oder epileptischem Anfall einen passenden G40-Unterkode statt eines symptomatischen R56-Kodes prüfen.Verhindert die Fehlkodierung einer gesicherten epileptischen Erkrankung als unspezifisches Symptom.
AbgrenzungskodeBei dokumentiertem Status epilepticus den spezifischen G41-Unterkode prüfen; der unspezifische Krampfpfad ist dann nicht passend.Länger anhaltende oder serielle Anfälle mit Status-Dokumentation gehören in einen eigenen Kodierpfad.
AbgrenzungskodeBei schwangerschafts- oder wochenbettbezogenen Krampfanfällen mit dokumentierter Eklampsie den geburtshilflichen Eklampsie-Pfad mit passendem O15-Unterkode prüfen.Schwangerschaftsassoziierte Krampfanfälle haben einen eigenständigen, klinisch wichtigen Kodierpfad außerhalb der symptomatischen Krampfkodes.
  • R55Synkope und Kollaps
AbklärungskodeNur verwenden, wenn Synkope oder Kollaps dokumentiert ist und keine Krampfdiagnose gesichert ist; bei dokumentierter anfallsähnlicher Aktivität ist ein spezifischerer Krampf- oder Anfallspfad zu prüfen.Transiente Bewusstseinsverluste werden in der Erstbeschreibung häufig als anfallsähnlich fehlinterpretiert.

Alphabetische Einträge

Zugehörige Gruppen

Weitere Suche

Zur ICD-10-GM Suche