ICD-10-GM Kodes für Akutes Koronarsyndrom (I20.0, I21.-, I24.9)

Kompletter Leitfaden zur Kodierung und Dokumentation von akutem Koronarsyndrom. Enthält Hinweise zu plausibler Kodierung, erforderlicher Dokumentation und typischen Fehlerquellen.

Verwandte Begriffe: Koronarsyndrom, ACS, akutes Koronarsyndrom

Kerninformation

Akutes Koronarsyndrom wird in ICD-10-GM je nach dokumentierter Form als I20.0, mit passendem I21.-/I22.-Unterkode oder bei fehlender Spezifizierung als I24.9 kodiert. Verwende I24.9 nicht, wenn instabile Angina pectoris, NSTEMI/STEMI, Reinfarkt oder Koronarthrombose ohne nachfolgenden Infarkt dokumentiert sind.

Wichtigste Auswahlachse: klinische Einordnung des ACS in instabile Angina pectoris, akuten Myokardinfarkt, Reinfarkt, Koronarthrombose ohne nachfolgenden Infarkt oder unspezifische akute ischämische Herzkrankheit

Wichtigste Warnung: I24.9 ist kein Ersatz für spezifisch dokumentierte instabile Angina pectoris, einen akuten Myokardinfarkt oder eine Koronarthrombose ohne nachfolgenden Infarkt.

Kodierentscheidungen

Kode/FamilieVerwenden wennNicht verwenden wennDokumentation
  • I20.0Instabile Angina pectoris
Verwenden, wenn instabile Angina pectoris als Form des akuten Koronarsyndroms ohne dokumentierten Myokardinfarkt dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn ein akuter Myokardinfarkt, NSTEMI/STEMI, Reinfarkt oder eine Koronarthrombose ohne nachfolgenden Infarkt dokumentiert ist.
  • instabile Angina pectoris bzw. ACS ohne Infarktnachweis
  • kein dokumentierter Myokardinfarkt
  • akuter Behandlungsanlass
  • I21.0Akuter transmuraler Myokardinfarkt der Vorderwand
Verwenden, wenn ein akuter transmuraler/ST-Hebungs-Myokardinfarkt der Vorderwand dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn NSTEMI/subendokardialer Infarkt, eine andere Infarktlokalisation oder ein Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen dokumentiert ist.
  • akuter transmuraler/ST-Hebungs-Myokardinfarkt
  • Lokalisation Vorderwand
  • kein Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen dokumentiert
  • I21.1Akuter transmuraler Myokardinfarkt der Hinterwand
Verwenden, wenn ein akuter transmuraler/ST-Hebungs-Myokardinfarkt der Hinterwand dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn NSTEMI/subendokardialer Infarkt, eine andere Infarktlokalisation oder ein Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen dokumentiert ist.
  • akuter transmuraler/ST-Hebungs-Myokardinfarkt
  • Lokalisation Hinterwand
  • kein Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen dokumentiert
  • I21.2Akuter transmuraler Myokardinfarkt an sonstigen Lokalisationen
Verwenden, wenn ein akuter transmuraler/ST-Hebungs-Myokardinfarkt an sonstiger näher bezeichneter Lokalisation dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn Vorderwand, Hinterwand, NSTEMI/subendokardialer Infarkt oder ein Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen dokumentiert ist.
  • akuter transmuraler/ST-Hebungs-Myokardinfarkt
  • sonstige näher bezeichnete Lokalisation
  • kein Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen dokumentiert
  • I21.3Akuter transmuraler Myokardinfarkt an nicht näher bezeichneter Lokalisation
Verwenden, wenn ein akuter transmuraler/ST-Hebungs-Myokardinfarkt dokumentiert ist, die Lokalisation aber nicht näher bezeichnet wird.Nicht verwenden, wenn die Lokalisation des transmuralen Infarkts dokumentiert ist, ein NSTEMI vorliegt oder ein Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen dokumentiert ist.
  • akuter transmuraler/ST-Hebungs-Myokardinfarkt
  • Lokalisation nicht näher bezeichnet
  • kein Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen dokumentiert
  • I21.9Akuter Myokardinfarkt, nicht näher bezeichnet
Verwenden, wenn ein akuter Myokardinfarkt dokumentiert ist, aber keine nähere Zuordnung nach Infarktart oder Lokalisation möglich ist.Nicht verwenden, wenn NSTEMI/subendokardialer Infarkt, transmuraler/ST-Hebungsinfarkt, genaue Lokalisation oder ein Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen dokumentiert ist.
  • akuter Myokardinfarkt
  • keine nähere Angabe zu Infarktart oder Lokalisation
  • kein Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen dokumentiert
  • I22.9Rezidivierender Myokardinfarkt an nicht näher bezeichneter Lokalisation
Verwenden, wenn ein Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen nach vorausgegangenem Myokardinfarkt dokumentiert ist, die Lokalisation aber nicht näher bezeichnet wird.Nicht verwenden, wenn es sich um den ersten akuten Infarkt handelt oder die Reinfarktlokalisation genauer dokumentiert ist; dann spezifischeren I22-Unterkode prüfen.
  • Reinfarkt innerhalb von 28 Tagen nach vorausgegangenem Infarkt
  • Lokalisation nicht näher bezeichnet
  • akuter Ereignisbezug
  • I24.0Koronarthrombose ohne nachfolgenden Myokardinfarkt
Verwenden, wenn eine akute Koronarthrombose, Koronarembolie oder ein Koronarverschluss ohne nachfolgenden Myokardinfarkt dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn ein akuter Myokardinfarkt nachfolgend dokumentiert ist oder lediglich instabile Angina pectoris bzw. unspezifisches ACS vorliegt.
  • Koronarthrombose/Embolie/Verschluss der Koronargefäße
  • kein nachfolgender Myokardinfarkt dokumentiert
  • akuter Ereignisbezug
  • I24.9Akute ischämische Herzkrankheit, nicht näher bezeichnet
Verwenden, wenn lediglich akutes Koronarsyndrom oder akute ischämische Herzkrankheit ohne weitere Spezifizierung dokumentiert ist.Nicht verwenden, wenn instabile Angina pectoris, NSTEMI/STEMI, Reinfarkt oder Koronarthrombose ohne nachfolgenden Infarkt spezifischer dokumentiert sind.
  • nur akutes Koronarsyndrom bzw. akute ischämische Herzkrankheit dokumentiert
  • keine nähere Zuordnung zu instabiler Angina, Koronarthrombose ohne Infarkt oder akuter/rezidivierender Myokardinfarkt
  • akuter Behandlungsanlass

Verwandte und abzugrenzende Kodes

Kode/FamilieRolleKodieraktionRelevanz
  • I20-I25Ischämische Herzkrankheiten
OrientierungsbereichNur zur Einordnung verwenden; für das akute Koronarsyndrom den spezifischen Kode oder Unterkode wählen.Der Bereich ordnet instabile Angina pectoris, akuten Myokardinfarkt, Reinfarkt und sonstige akute ischämische Herzkrankheiten systematisch ein.
  • I21.-Akuter Myokardinfarkt
KodefamilieBei dokumentiertem akutem Myokardinfarkt einen passenden endständigen I21-Unterkode nach Infarktart und Lokalisation wählen.Die Kodefamilie bildet den zentralen Kodierraum für das infarzierende akute Koronarsyndrom ab.
  • I21.4-Akuter subendokardialer Myokardinfarkt
AbgrenzungskodeBei dokumentiertem NSTEMI bzw. akutem subendokardialem Infarkt den passenden endständigen Unterkode unter I21.4- wählen; nicht auf I21.9 oder I24.9 ausweichen.NSTEMI gehört zum Infarktpfad des akuten Koronarsyndroms, ist aber von unspezifischem akutem Myokardinfarkt und unspezifischer akuter ischämischer Herzkrankheit abzugrenzen.
  • I22.-Rezidivierender Myokardinfarkt
AbgrenzungskodeBei erneutem Infarkt innerhalb von 28 Tagen nicht erneut I21.- verwenden, sondern passenden I22-Unterkode prüfen.Der Reinfarkt ist ein eigener Kodierpfad und eine zentrale Abgrenzung zum ersten akuten Myokardinfarkt.
  • I24.1Postmyokardinfarkt-Syndrom
AbgrenzungskodeNicht als aktuelles akutes Koronarsyndrom oder akuten Myokardinfarkt kodieren; nur bei dokumentiertem Postmyokardinfarkt-Syndrom prüfen.Das Postmyokardinfarkt-Syndrom ist eine eigene akute ischämische Herzkrankheit und nicht mit dem eigentlichen ACS-Ereignis gleichzusetzen.
AbgrenzungskodeNicht für das aktuelle akute Koronarsyndrom verwenden; nur bei dokumentiertem altem bzw. abgeheiltem Myokardinfarkt ohne aktuelles akutes Ereignis prüfen.Hilft, einen früheren, nicht akuten Infarkt vom aktuellen ACS oder akuten Myokardinfarkt abzugrenzen.
  • R07.4Brustschmerzen, nicht näher bezeichnet
AbklärungskodeNur als Abklärungspfad verwenden, wenn lediglich Brustschmerz dokumentiert ist und ein akutes Koronarsyndrom noch nicht gesichert oder benannt ist.Viele Fälle starten mit Thoraxschmerz; der Symptomkode tritt zurück, sobald ACS, instabile Angina oder Infarkt spezifisch dokumentiert sind.
  • I20.9Angina pectoris, nicht näher bezeichnet
AbgrenzungskodeNur prüfen, wenn Angina pectoris dokumentiert ist, aber keine Instabilität und kein akutes Koronarsyndrom näher bezeichnet sind.Verhindert die Überkodierung eines unspezifischen Angina-pectoris-Befunds als instabile Angina oder akutes Koronarsyndrom.

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